Aus dem Rottenburger Land kommt die erste Internetplattform zur Vermittlung von Organisten
ROTTENBURG. Eine Angebotslücke haben der Wachendorfer Matthäus Schmid und die Rottenburgerin Claudia Zerfass geschlossen: Die Beiden betreiben seit Mitte Oktober die Internetplattform „Organistenscout“, auf der sie deutschlandweit Organisten für Auftritte vermitteln.
Rund 20 Organisten haben sich in den vergangenen zwei Wochen bereits auf der Internetplattform
angemeldet. Der Schwerpunkt liegt noch in Baden-Württemberg, aber es sind auch schon Leute aus Bremen,
Regensburg oder Leipzig dabei, sagt die 21-jährige Claudia Zerfass. Sie studiert Informationsdesign
in Stuttgart und hat die Internetplattform „organistenscout.de“ programmiert.
Bisher, sagt sie, „hatten wir jede Woche etwa zehn Anmeldungen und rund 50 Zugriffe auf die Seite.“
Das Netzwerk ist also noch im Aufbau, aber die Rückmeldungen seien bisher sehr positiv, sagt der 20-jährige Matthäus Schmid. Zumal die Internetplattform nicht nur Vermittlungsinstrument, sondern auch Forum sein soll, in dem sich die Orgelspieler austauschen, sich über aktuelle Konzerte oder Seminare informieren können. Schmid selbst spielt seit etlichen Jahren in der Wachendorfer Kirchengemeinde die Orgel. Vor drei Jahren schloss er als damals Jüngster an der Rottenburger Hochschule für Kirchenmusik seine C-Ausbildung ab.
Das tat er übrigens parallel zur Schule. Zwar spielt der Wachendorfer regelmäßig
in den Starzacher Kirchen, gibt gelegentlich ein Konzert oder begleitet schon mal Hochzeiten auf Schloss
Weitenburg. Aber Orgelspielen, sagt er, sei ein Hobby. Ansonsten nämlich studiert Schmid
Wirtschaftsingenieurswesen an der Berufsakademie Horb.
Gerade die nebenberufliche Beschäftigung mit dem Instrument brachte ihn auf die Idee, eine Internetplattform zu installieren. „In letzter Zeit hatte ich viele Anfragen und ziemliche Schwierigkeiten, jemanden zu finden, wenn ich nicht konnte“, sagt Schmid. Durch die Vernetzung dürfte das in Zukunft leichter fallen. Vor allem aber soll der „Organistenscout“ Privatleuten oder Gemeinden helfen, die noch einen Orgelspieler für eine Taufe, eine Hochzeit oder einen Gottesdienst suchen. Anfragen gab es in diesen ersten zwei Wochen allerdings noch keine.
Die Organisten, die sich bisher auf der Plattform anmeldeten, sind fast durch die Bank Nebenberufsmusiker mit der entsprechenden C-Ausbildung. Menschen, die wie Schmid selbst das Instrument in erster Linie spielen, weil sie Spaß an der Musik haben und nicht, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber es sind laut Schmid auch einige wenige Hauptberufler dabei. „Bei der Qualität haben wir schon ein Auge drauf“, sagt er: „Wir suchen nicht nach Band-Keyboardern, die Langeweile haben.“
Wer nun einen Organisten oder eine Organistin braucht (bis jetzt ist die Geschlechterverteilung laut Claudia Zerfass gut ausbalanciert), kann entweder das Internetformular ausfüllen oder auch zum Telefonhörer greifen. Schmid und Zerfass versuchen dann, einen geeigneten Musiker aus der jeweiligen Umgebung zu vermitteln. Das Honorar bestimmt der Organist. Dazu kommt eine geringe Vermittlungsgebühr. „Wir müssen nicht davon leben“, sagt Schmid dazu: „Mir macht es einfach auch Spaß, das zu organisieren.“ Mit Blick in die Zukunft freilich könnte er sich durchaus vorstellen, die Idee auszubauen und damit das Hobby zum Beruf zu machen.
Text: Von Frank Rumpel